Alltägliches,
nicht so Alltägliches
und garnicht so Alltägliches,
verpackt in Wort und Bild
ONKL
EINFACH ANDERS.
Geschichten zum Nachdenken, Schmunzeln und nochmal lesen. Nicht von Profis aber nah dran.
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Gute Nacht, Mama
Wir sitzen gemeinsam am Esstisch. Es gibt Abendbrot. Ich frage sie, wie es in der Schule war. Sie schaut stumm auf ihr Handy. Ich frage sie erneut, mit lauterem Ton. Dann reagiert sie. Sie nimmt die Kopfhörer aus dem Ohr.
Der Ruhewald
„Würdest du dich hier begraben lassen oder würdest du einen klassischen Friedhof bevorzugen?“ fragt sie mich nach einem kurzen Moment der Ruhe.
Ich mache mir darüber selten Gedanken und wenn doch, dann sind sie nie sehr tiefgründig. Der Tod ist für mich zu weit entfernt, obwohl ich weiß, dass Lebenszeit niemals gewiss ist.
Sommerregen
„Der Kleine isst sein Eis.“ sagt sie und zeigt mit den Augen auf den Jungen vor uns. Sein Gesicht ist völlig verschmiert mit Schokoladeneis. Ich lache in mich hinein. Schön, wie ungeniert man noch als Kind ist. Da ist es dir egal, wie du aussiehst. Hauptsache es schmeckt. Wen kümmert‘s? Ihn jedenfalls nicht. Er genießt. Ich beneide ihn ein wenig.
flaschenpost
Sie stand plötzlich aber nicht unerwartet vor meiner Türe. Wir hatten uns verabredet, zu einem Shooting ihrer neuen Tattoos. Ob ich am Wochenende spontan Zeit hätte, fragte sie mich am Freitag. Ein unangenehmes Gefühl machte sich damals in mir breit.
Drei Männer im Wald
Es ist eine regnerische Nacht. Ein alter Van steht am Waldrand. Ein Stück den Wald hinein, auf einer Lichtung, stehen zwei Männer, Thomas und Michael. Neben ihnen liegt ein großer, länglicher Sack auf der Erde. Sie sind dabei, ein tiefes Loch zu graben.
Zahlen, bitte!
Tim, Pia und Rossi sitzen gemeinsam am eichenen Tisch im “la Conchiglia”. Ein kleines italienisches Restaurant am Rand der Stadt. Tim sitzt gegenüber von Pia und Rossi. “Was nehmt ihr?” fragt Pia unentschlossen in die Runde.
Das Exit
Das Exit ist ein wundersamer Ort, an dem die Sorgen der Vergangenheit angehören. Man lebt, liebt und tanzt dort zu magischer Musik. Doch das Exit ist nicht für jedermann. Der Preis für den Einlass ist hoch, sagt man.
Der Dämon im Krankenhaus
Das Diensthandy klingelte. Ein Patient musste zu einer Untersuchung gebracht werden. Ich notierte die Daten auf meinem Notizblock, trank meinen Kaffee aus und Emma checkte noch ihre E-Mails. Anschließend nickte sie mir zu und wir verließen das Zimmer. Auf dem langen Korridor des Krankenhauses herrschte Ruhe. Um diese Zeit ist hauptsächlich die Pflege auf den Gängen.
Thunfischpaste to go
„Komm“, sagte Lea. „Gleich da vorn ist der türkische Markt. Da gibt's die beste Thunfischpaste.“ Er war überwältigt von der Kreuzberger Atmosphäre. Dem Guten und dem Schlechten. Es zog ihn aus der Krise. Er musste an Amsterdam denken, als er die steinerne Brücke sah, unter deren grünem Geländer die Spree sich schlängelte.
Die Fremde
Mike stand am Flughafen vor dem geschlossenen Gate. Er hatte gerade seinen Flug nach New York verpasst, weil er zu lange in der Raucherlounge gesessen hatte. Sein Herz begann zu stechen. Ihm wurde heiß. Sein Puls begann zu rasen. Er schlug mit den Fäusten gegen die Sitzreihe vor ihm. Anschließend stampfte er, wie ein wildgewordener Bulle, im Kreis. Sein Kopf wurde rot. “So eine Scheisse”, schrie er, in einer Lautstärke, dass man es noch bis zur Landebahn hätte hören können.